VCÖ-Studie zeigt Schwächen von Österreichs Öffi-Politik auf

“Verkehrsministerin Doris Bures strapaziert bei Bahn und Öffentlichem Verkehr oft und gern das Vorbild Schweiz. In der Realpolitik geschieht aber viel zu wenig, um den großen, rasch weiter anwachsenden Vorsprung der Schweiz bei der Öffi-Nutzung aufzuholen, den die heute präsentierte neue Studie des VCÖ präzise offenlegt.Die Schweiz ist dank richtiger Prioritäten Öffi-Weltmeister, Österreich dank einseitiger Betonpolitik nur Bau-Weltmeister. Teure Riesenprojekte alleine nützen aber vor allem der Baulobby und nicht den Fahrgästen. Kein Wunder, dass die Schweiz davonzieht und Österreich auf der Stelle tritt und seine Klimaschutz-Ziele meilenweit verfehlt”, kritisiert unsere Gabriela Moser, Verkehrssprecherin.

“Es ist zu wenig, wenn Ministerin Bures sich auf den ‚Lorbeeren‘ ausruht, dass in Österreich immer noch mehr Bahn gefahren wird als in anderen EU-Staaten wie etwa Griechenland. Die Verkehrsministerin muss sich vor allem vom Tunnelblick befreien: Mit dem Bohren milliardenteurer Riesentunnel wird die Zukunft der Bahn nicht gesichert, sondern gefährdet. Diese Megaprojekte vom Brenner bis zum Semmering drohen ÖBB und Republik wie ein Mühlstein in den finanziellen Abgrund zu ziehen. Schon bis heute wurden bei den ÖBB für Megaprojekte ein Schuldenberg von über 20 Mrd. Euro angehäuft, laut BMVIT werden allein im Bundesbudget weitere 65 Mrd. Euro nötig sein.

Öffi-Weltmeister wird man aber nicht durch Bau- und Schulden-Rekorde, sondern durch Verkehrspolitik mit den richtigen Zielen und Schwerpunkten: Gesetzlich gesicherte Öffi-Mindestversorgung aller Regionen, durch mehr Verbindungen stark verdichteter landesweiter Taktverkehr und modernisierte Regionalbahnen sind angesagt. Der Kunde ist in der Schweiz König, die Einführung eines landesweit einheitlichen elektronischen Ticketsystems fix, während in Österreich nicht einmal für Bahn und bahneigenen Postbus dasselbe Ticket gilt. Auch der wiederholt von Bures angekündigte Fahrgastbeirat existiert immer noch nicht “, zählt Moser auf.

Auch beim Kauf von neuen Zügen geht die Schweiz bedarfsgerecht vor, während in Österreich Industriepolitik regiert: gekauft wird, was vom politisch befreundeten Anbieter vorgegeben wird, nicht was nötig wäre. Möglich ist dies nur, weil Bund und Länder als Besteller und Zahler bei solchen Deals kommentarlos mitspielen.

“In der Schweiz, aber auch in Bayern wäre es undenkbar, auf Regionalstrecken dauerhaft mit zu großen Garnituren viel heiße Luft spazieren zu führen und viel teure Traktionsenergie zu vergeuden. Nur ein rasches Umdenken der österreichischen Regierung kann nach dem Schweizer Vorbild leistbare Mobilität für alle auch in der Zeit nach dem billigen Öl sichern”, sagt Moser.


2 Kommentare

  1. sassi sagte am Mi. 23 November, 2011 um 00:45:

    hallo!

    ich lese in Österreich gilt nicht dasselbe Ticket gilt für Bahn und bahneigenen Postbus. Wie meinen Sie das=?
    In Wien gilt soweit ich weiss das gleiche Ticket für U-bahn, Bahn und auch für Postbusse.

    grüße
    sassi

  2. Johann Marinsek sagte am Mi. 23 November, 2011 um 13:06:

    Gabriela Moser macht Verkehrspolitik über die Köpfe ihrer ParteifreundInnen in der Steiermark und in Kärnten

    Gabriela Moser stimmt in den Chor jener ein, die die Schweiz als Vorbild für Bahn-Infrastrukturausbau loben. Jede(r) kann sich bei Wikipedia einen Überblick speziell über die Bahnprojekte machen, die Teil des zukünftigen europäischen Fernverkehrs via Schweiz sind: http://de.wikipedia.org/wiki/Schweizer_Eisenbahnprojekte#Bahn_2030.
    Offenbar hat Gabriela “übersehen”, dass die Schweiz zur Beschleunigung des alpenquerenden nationalen und internationalen Bahnfernverkehrs Tunnel baut. Beispiele: Lötschberg- und Gotthardtunnel. Die Grünen der Schweiz sind übrigens für das Ausbauprogramm der SBB….

    Verkehrssprecherin Gabriela polemisiert mit populistischen Parolen gegen Infrastrukturprojekte der ÖBB.
    Dabei geht sie selektiv vor: Der 4-gleisige Ausbau der Westbahn (Wien-St. Pölten mit dem Wienerwaldtunnel z. B.) ist offenbar o. k.
    Hingegen wird der Semmeringbasistunnel (SBT) der Neuen Südbahn von der Linzerin Gabriela erneut in Frage gestellt.
    Es war dem ORF nur eine kurze Meldung wert, dass die Neue Südbahn als Teil des Baltisch-Adriatischen Korridors (Danzig-Warschau-Wien-Graz-Villach-Italien) nun zu den prioritären Bahnprojekten der EU gehört.
    Gabriela sollte inzwischen auch realisiert haben, dass an der Neuen Südbahn gleich viele Menschen wohnen wie an der Westbahn. Früher argumentierte sie nämlich, dass der Koralmtunnel der Südbahn kein Menschenleben (durch Umstieg vom Auto auf die Bahn) retten könne, da niemand durch den Tunnel fahren werde…
    Gabriela war von Beginn an gegen den SBT. Nach jahrelanger Überzeugungsarbeit der Grünen Kärntens und der Steiermark einigte man sich dann mit der Parteiführung doch auf ein mehrheitliches Ja zum SBT.
    Jetzt schwenkt Gabriela eigenmächtig um. Ihre erneuerte Opposition zum SBT ist eine Desavouierung der Grünen südlich des Semmerings!
    Sparen beim Bahnausbau ist Kaputt-Sparen. Endsieg des Autos und des Fliegers wäre die Folge…
    Bei den Relationen Graz-Linz bzw. -Salzburg zeigt sich gerade jetzt:
    Mit der Infrastruktur aus der Monarchie ist kein Fernverkehr mit attraktiven Reisezeiten möglich.

    Von einer Politikerin erwartet man nicht das Bejammern der ÖBB-Schulden, sondern Wege, wie diese abzubauen sind.
    Stichwort dazu: Kostenwahrheit für Straßen– und Luftverkehr. Gäbe es diese, sähe die Konkurrenzsituation der Bahn ganz anders aus. Hier wäre genug Betätigungsfeld für Gabriela!
    Klar ist, dass sich der Bahnausbau betriebswirtschaftlich nicht rechnen kann, solange Straßen- und Luftverkehr massiv subventioniert werden.

    Es gilt die Welt zu verändern, Gabriela!
    Johann Marinsek, DeutschLandsberg, Stmk.


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