Spekulationsprotest: auf der Straße und auf der Bühne

 Anti-GlobalisierungsDemo     Demonstranten

Gestern geriet ich zufällig auf der Alserstraße in eine lautstarke Deomstration vieler Jugendlicher. Ohne Transparente zogen sie mit Bierdosen oder teilweise anderen Drogen ausgestattet hinter Musik-Wägen. Ich fragte einen Polizisten, seine Antwort: “Tierschutz”. Im Höllenlärm erkundigte ich mich bei einem Teilnehmer: “Anti-Globalisierung” war die Antwort. Das ganze mutete laut und gespenstisch gleichzeitig an. Der Anlass war mir schleierhaft. Der Grund durchaus einleuchtend. Jugendliche gelten als Seismograph der Gesellschaft - so absurde Demos spiegelt auf ihre Art die Absurdität der wirtschaftlichen und  gesellschaftlichen Entwicklung.

 Bühne: Kontrakte des Kaufmanns (D.Balzer)     Schlussapplaus “Kontrakte des Kaufmanns”

Auch KünstlerInnen loten antennenhaft aktuelle (Fehl)-Entwicklungen aus. Elfriede Jelinek nahm in ihrem Text “Die Kontrakte des Kaufmanns” nicht nur die BAWAG und Meindl Finanzspekulationen auf Kosten der kleinen AnlegerInnen aufs sprachliche Korn, sondern auch in antizipatorischer Weise die internationale Finanzkrise vorweg. Nach der Demo besuchte ich die Aufführung und hörte gebannt 4,5 Stunden der Sprachartistik, die über große Strecken durchaus schlüssig in BühnenHandlung eingebettet wurde. Am Ende tanzten die (Finanz)Blasen in Form von Gummibällen durchs Publikum und reflektieren auf der Bühne menschlich Gesicher,  gefolgt von einer blutigen Axt, die das Familiendrama eins ehemaligen Parlamentsangestellten (verlor Vermögen an der Börse) symbolisierte.

So nahe liegen Realität und künstlerische Verarbeitung. Jelinek endet mit “Nichts”. Wie wird es wirklich enden?


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