“Hainburg” 2009: Lobau-Autobahn als babylonischer Turm
bei der Hainburg-Jubiläums-Klubsitzung in der Lobau zeigte der Nationalpark-Film über die wunderbare gerettete Au-Landschaft, dass das “Ziel der Politik die Schönheit” sein sollte, so wie es unser erstes Parteiprogramm festhielt. Schönheit im Schiller`schen Sinn (250. Geburtstag):
http://www.textlog.de/friedrich-schiller.html: Jeder Mensch trägt, der Anlage und Bestimmung nach, einen »reinen idealischen Menschen in sich. mit dessen unveränderlicher Einheit in allen seinen Abwechselungen übereinzustimmen, die große Aufgabe seines Daseins ist«. Dieser reine Mensch wird durch den Staat repräsentiert, die objektive Form, in der sich die Mannigfaltigkeit der Subjekte zu vereinigen trachtet. Der Mensch in der Zeit soll sich zum »Menschen in der Idee« veredeln. Bei dem Volke, das fähig sein soll, den Staat der Not mit dem Staat der Freiheit zu vertauschen, muß »Totalität des Charakters« vorhanden sein, Harmonie der Triebe und Kräfte. Dazu ist ästhetische Kultur notwendig. Durch sie werden der sinnliche »Sachtrieb« und der »Formtrieb«, der aus der vernünftigen Natur des Menschen entspringt und gesetzgebend auftritt, alles zu einer »Ideeneinheit« erhebt, in der Einheit des Spieltriebes verbunden, der den Menschen zum vollen Menschen, zur Einheit von Sinnlichkeit und Vernunft macht. Der Gegenstand des Sachtriebes ist das Leben, der Gegenstand des Formtriebes die Gestalt, der des Spieltriebes die »lebende Gestalt«, in der die Schönheit besteht. Die Schönheit ist ein Spiel und der Mensch »ist nur da ganz Mensch, wo er spielt« (Das Spielen führt Schiller, wie später Spencer, auf überschüssige Kraft zurück). Im Schönen stimmen Sinnlichkeit und Vernunft zusammen, das Schöne vermittelt zwischen Natur und Sittlichkeit und erhebt den Menschen auf die höchste Stufe, die er im »ästhetischen Staat« (im Unterschiede vom dynamischen Rechtsstaat und vom moralischen Staat) einnimmt. Die Schönheit ist »die Bürgerin zweier Welten«, indem die Vernunft das Sinnliche übersinnlich behandelt, es zum Ausdruck einer Idee macht. Schönheit ist, kurz gesagt, »Freiheit in der Erscheinung«, Ausdruck selbständigen Lebens. Der ästhetische Sinn sucht in der Form ein »freies Vergnügen«, schaut uninteressiert an (vgl. Kant). Es handelt sich hier um den ästhetischen Schein, der weder Realität vertreten will, noch von derselben vertreten zu werden braucht. Das Gefühl des Erhabenen ist eine Zusammensetzung von Wachsein und Frohsein. Es besteht aus dem Gefühl unserer Ohnmacht und Bewegung, einen Gegenstand zu umfassen, und aus dem Gefühl unserer Übermacht, welche vor keinen Grenzen erschrickt und dasjenige sich geistig unterwirft, dem unsere sinnlichen Kräfte unterliegen; es verschafft uns einen Ausgang aus der sinnlichen Welt.
Was vor 25 Jahren möglich war - die Rettung der letzten mitteleuropäischen Aulandschaft - erscheint angesichts der sündteuren geplanten Lobau-Autobahn unter der Au als schier unwiederholbarer Erfolg. Ein Kraftwerk hätte Strom gebracht, es wurde darauf verzichtet. Eine Autobahn bringt nichts als Abgase, Lärm , Stau etc. und hat in der geplanten Dimension keinen volkswirtschaftlichen Nutzen, sondern bedeutet nur Verlust - trotzdem wird sie gebaut. Ein Hainburger-Protest II ist nicht in Sicht, die Besetzungsaktion vor 3 Jahren, bei der ich wieder eine Nacht in der Au verbrachte, verebbte. Milliarden- Tunnels entpuppen sich hoffentlich als babylonischer Turm des 21. Jahrhunderts.
Ich bringe einen Antrag zur Überarbeitung des Bundesstraßengesetzes ein, das Projekten eine Wirtschaftlichkeits- und Klimaverträglichkeits-Prüfung abverlangt.







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