3 Schienenwege nach Bratislava - Österreich baut den längsten und teuersten
- Do, 29. Okt. 2009 | Mobilität
Auf einer Lok unternehme ich eine Erkundungsfahrt über Kittsee nach Bratislava/Petrazalka. Schon am O-Bahnhof sehe ich Fahrgas-Schikanen: Züge enden an Gleisen weit vor dem Bahnhof, obwohl andere freie Gleise bis zum Bahnhof führen. Menschen müssen doppelt so lange Wege zurücklegen.
Die gut ausgebaute Strecke ist auf 160 km/h ausgelegt, doch Fahrplan und Langsamfahrstellen erlauben bestenfalls knappe 120 km/h. Der Endbahnhof Petrzsalka dehnt sich leer in die Weite - mit EU-Geldern errichtet rostet er überdimensioniert vor sich hin.
Vor 1918 fuhren die Züge von Wien nach Budapest über Bratislawa, es gab eine Direktverbindung über Wolfsthal. Heute plant das Verkehrsministerium mit der Kirche um Kreuz in die 55 km entfernte Nachbarhauptstadt zu fahren: ein sündteurer Umweg über Schwechat und die Götzendorfer Spange an den Rand von Bratislava, in den Bahnhof Petrzalka.
Wie ein Blick auf die Landkarte zeigt, bedeutet die Umleitung des Ostbahnverkehrs über den Flughafen eine deutliche Verlängerung der Fahrstrecke und auch der Fahrzeit. Unter Berücksichtigung der suboptimalen Anlageverhältnisse zwischen Wien und dem Flughafen ist ein Fahrzeitverlust zwischen Wien und Bratislava-Petrzalka bzw. Wien und Budapest von etwa ¼ Stunde zu erwarten, was die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene gegenüber der Straße weiter verschlechtern würde.
Warum werden 130 Mio für diese längere und teurere Verbindung ausgegeben, wo es über Marchegg oder Wolfsthal schneller, direkter, billiger und vor allem ins Zentrum nach Bratislava ginge?
Mit der Götzendorfer Spange spart sich das Land NÖ zahlreiche Straßen-Ortsumfahrungen, weil diese im Zuge des Bahnbaus gleich von den ÖBB vorgenommen und finanziert werden. Außerdem zahlt die EU mit, da über die Götzendorfer Spange der Flughafen eingebunden wird (das könnte mit der Wolfsthal-Variante auch erzielt werden).
Verkehrspolitisch sind trotzdem die anderen zwei Verbindungen (über Marchegg oder Wolfsthal) nach Bratislava sinnvoller und rascher zu realisieren. Die Fahrzeit ließe sich auf 40 Minuten verkürzen.
Parlam. Anfrage und Antwort zur Verbindung Wien Bratislava








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