Geheimpapier:ÖBB plant Strecken-Stillegungen in großen Ausmaß
- Fr, 04. Sep. 2009 | Mobilität
Aus informierten Kreisen erhielt ich ein Geheimpapier der ÖBB über die Stilllegung von Strecken. Ich gab es an den Standard zur Berichterstatung weiter. Meine Eindruck: /Kommentar”Statt wie ursprünglich angestrebt endlich Schweizer Qualität auf österreichs Schienen beiten zu können, blasen die ÖBB nun zum Rückzug aus der Fläche! Min. Bures darf dieses Streich/zusperrkonzert aus verkehrspolitischen Erwägungen nicht zu lassen.
Das Zielnetz 2025+ wird so nicht „weiterentwickelt“, sondern ins Gegenteil verkehrt. Denn es geht nun nicht mehr um ein Offensiv-, sondern um ein Defensiv-Konzept, konkret um ein in dieser Schärfe noch nicht dagewesenes Bahn-Zusperrkonzept.”
Exklusiv-Bericht:Der Standard, 3.9. 18.00:
Bahnausbau auf dem Prüfstand
03. September 2009, 18:01
Baustellen und verspätete Züge: Für die Fahrgäste wird der Milliardenbahnausbau in den nächsten Jahren zum Härtetest
Um Ertragseinbrüche zu kompensieren und den Milliardenausbau auf Schiene zu halten, bahnen sich ab 2014 Streckenstreichungen an
Wien/Alpbach - Zumindest für leidgeprüfte Fahrgäste auf der Südbahn stellt die ÖBB Besserung in Aussicht: Zum Schulanfang in einer Woche sollen die Weichenbauarbeiten in Mödling abgeschlossen sein und die derzeit mit mindestens zehn Minuten in Verzug geratenen Züge sollten wieder pünktlich sein.
Insgesamt haben Bahnbenützer freilich kaum Aussicht auf Entlastung. Denn um die durch Milliardeninvestitionen und wirtschaftskrisebedingten Güterverkehrseinbrüche bis 2014 entstehende Ergebnislücke zu stopfen, müssen Leistungsangebot und Bahnausbau zurückgefahren werden. Einsparen will man, wie berichtet, gut 200 Millionen Euro.
54 Streckenabschnitte fraglich
Laut Planungspapieren, über die hochrangiger ÖBB-Manager aus allen Tochtergesellschaften Mitte Juli diskutierten, stehen insgesamt 54 Streckenabschnitte und Ausbauprojekte des 5800 Kilometer langen ÖBB-Bahnnetzes zur Disposition. Der Grund: Das zwischen September 2007 und Juni 2008 erarbeitete “Zielnetz 2025+” erweist sich als unfinanzierbar, es muss redimensioniert werden.
Heruntergefahren oder zumindest nicht weiter ausgebaut werden sollen neben der Strecke Linz-Graz (Schleife Selzthal; 56 Mio. Euro) auch die Pottendorfer Linie (Wampersdorf-Wiener Neustadt; 220 Mio. Euro) auf Hochgeschwindigkeit. Von den Netzbetreibern innerhalb des ÖBB-Konzerns zur Disposition gestellt wurde auch die Aufrüstung der Verbindungen Floridsdorf-Stockerau (auf 140 km/h um elf Mio. Euro), der zweigleisige Ausbau zwischen Stockerau und Hollabrunn (um 340 Mio. Euro), der viergleisige Ausbau zwischen Götzendorf und Parndorf (um 340 Mio. Euro) und der Ausbau Wiener Neustadt - Gloggnitz. Gestrichen werden könnte auch das zweite Gleis zwischen Herzogenburg und St. Pölten.
Problematische Verschiebung
“Letzteres wäre ein besonderes Husarenstück”, warnt Grünen-Verkehrssprecherin Gabriela Moser nach Durchsicht der ÖBB-Papiere. “Gerade der zugehörige Bahnhofsumbau in Herzogenburg wurde als Konjunkturankurbelungsprojekt vorgezogen und von Kanzler Faymann und Verkehrsministerin Bures bejubelt.” Eine Chuzpe sei auch, dass die Schleife Selzthal infrage steht, eine Strecke, auf der die Nachfrage mittels unattraktiver Fahrzeiten gezielt gedrosselt worden sei, argwöhnt Moser.
Eine Verschiebung nicht weniger in dem 20-seitigen Papier aufgelisteten Projekte, die bereits geplant, aber erst 2014 (also nach dem aktuellen ÖBB-Rahmenplan) gebaut werden sollten, gilt auch bahnintern als extrem problematisch. Die Südbahn zwischen Wien und Wiener Neustadt zum Beispiel ist bereits jetzt überlastet, ihr droht ohne Pottendorferlinie der Kollaps.
“Nichts beschlossen”
ÖBB-Sprecher Alfred Ruhaltinger beschwichtigt: “Es ist nichts beschlossen.” Außerdem sei keines der Projekte umsetzungsreif und Wirtschaftlichkeitsprüfungen nicht abgeschlossen.
Am Freitag Nachmittag erklärte dazu auch ÖBB-Holding-Vorstandschef Peter Klugar, dass von einem Zurückfahren des Schienenausbaus keine Rede sei; “an den Investitionen des Rahmenplans wird nicht gerüttelt”, so Klugar in einer Aussendung.
Abrücken muss die Bahn jedenfalls von ihren Schuldenabbauplänen. ÖBB-Aufsichtsratspräsident Horst Pöchhacker räumt im Gespräch mit dem STANDARD ein, dass sich der zuletzt für 2020/2023 avisierte Wendepunkt, ab dem die Bahn ihre Milliardenschulden abzahlt, “um fünf bis sechs Jahre” nach hinten verschieben werde. Grund seien die Absatzeinbrüche in Güter- und Personenverkehr. Pöchhacker sieht darin allerdings “kein Drama”, an der nachhaltigen Rentabilität der Investitionen ändere sich nichts. Gemeinsam mit Effizienzsteigerungsmaßnahmen werde die Ertragslage kontinuierlich verbessert. (red/Luise Ungerboeck, Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.9.2009)








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