Regionalbahnen - langsam wie in den Fünfzigerjahren?

Grüne üben Kritik am Bahn-Regionalverkehr - Langsam wie in den 50ern
Utl.: Künftige Fahrpläne sollen für Pendler längere Fahrzeiten
      bringen - Moser will Rückerstattungen für Fahrgäste prüfen =

   Wien (APA) - Im Kreuzfeuer der Kritik ist am Freitag einmal mehr
der Regionalverkehr der ÖBB gestanden. Die Grüne Verkehrssprecherin
Gabriela Moser kritisierte bei einer Pressekonferenz in Wien Vorhaben
für einen neuen Fahrplan, der für Pendler massive Wartezeiten und
längere Reisedauern bringen soll. “Da fallen wir zurück in die
Fahrzeiten Ende der 50er”, so Moser. Zwischen Wien und St. Pölten
seien beispielsweise 27 Minuten längere Verbindungen vorgesehen.
Besonders schlimm sei dies angesichts der im Juli um fünf Prozent
erhöhten Fahrpreise.

    Statt einer Stunde sollen Regionalzüge für die Strecke Wien-St.
Pölten - wie zuletzt in den 50er Jahren - künftig 87 Minuten
benötigen, kritisierte Moser. Um dem Fernverkehr Vorrang zu geben,
müssten die Garnituren bis zu zehn Minuten Wartezeiten in Stationen
einlegen. Das zweite Problem seien fehlende Investitionen bei der
Renovierung. “Es geht darum, Neubauten zu finanzieren und bei der
Instandhaltung wird gespart”, bemängelte die Grüne Politikerin.

   Verursacht würden durch diese Bau-Strategie viele
Langsamfahrstellen auf Regionalstrecken und somit Verspätungen. “Das
lässt sich belegen seitenweise, buchweise”, betonte die Sprecherin.
Bei 30 Kilometern zwischen dem Wiener Westbahnhof und Hutten bei
Kirchstetten (Bezirk St. Pölten) gebe es 16 Langsamfahrstellen, die
teilweise seit 2006 existieren und Pendler täglich bis zu zehn
Minuten kosten würden, so Moser, der auch das Schritttempo zwischen
Grein und der Wachau auf der Mühlkreisbahn oder der Strecke im
Ennstal ein Dorn im Auge ist.

   “Und dafür zahlen sie jetzt fünf Prozent mehr”, kritisierte Moser
angesichts der Verspätungen die im Juli angehobenen Fahrpreise. Die
Sprecherin will daher justiziell prüfen, inwiefern Fahrgäste
Ansprüche auf Rückzahlungen geltend machen können. Für die jetzige
Situation macht die Oppositionspolitikerin auch die Reform unter der
schwarz-blauen Regierung verantwortlich: Die ÖBB entspreche immer
mehr einem Baukonzern mit den Unterkategorien Transport und
Personenverkehr.

   Notwendig seien mehr Mittel für die Instandhaltung und eine
verbesserte Infopolitik, forderte Moser. Bei Fahrplanänderungen gebe
es oft unzureichende Auskünfte und Anzeigen für Passagiere. Die Bahn
müsse pünktlicher werden und Anbindungen zum Busverkehr verbessern.
Das Problem habe die ÖBB laut einem internen Schreiben bereits selbst
erkannt. Dort ist laut Moser von Pünktlichkeit als Frage der Ehre die
Rede. “Jede vierte Fernverkehrszug ist erheblich zu spät!”, soll der
Vorstand darin bemängeln und klare Verbesserungen fordern.

   Unzufrieden ist die Grüne Politikerin auch mit der Reparatur des
Blitz-Schadens im Stellwerk Süßenbrunn in Wien-Donaustadt, der
zuletzt im S-Bahn-Verkehr im Osten Wiens für erhebliche Verzögerungen
sorgte. Statt selbst einen Experten-Pool zu bilden und die drei
ausgefallenen Geräte zu ersetzen habe man eine externe Firma
hinzugezogen, die nun das gesamte Werk neu baue, so Moser. Zudem
wurden vorübergehend 60 Verbindungen gestrichen, von denen manche
vermutlich ganz abgesetzt würden.


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