Gratis-Öffi
- Fr, 04. Jul. 2008 | Mobilität
Nur auf den ersten Blick erscheint die Forderung nach Gratis-Öffis bestechend. Man könnte glauben, dass dann viele Menschen vom Auto auf Öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Doch leider ist dem nicht so. Angestellte der Verkehrsbetriebe mit Freifahrt kommen trotzdem mit dem Auto zur Arbeit.
1. Die Entscheidung, ob mit Öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren wird oder nicht, hängt kaum vom Preis, sondern vor allem vom Angebot ab. Gerade die Schweiz, die beim Öffentlichen Verkehr oft als Vorbild genannt wird, zeigt das. In der Schweiz ist der Öffentliche Verkehr auch im Verhältnis zum Einkommen teurer als in Österreich. Dennoch wird dort doppelt so viel Bahn gefahren - einfach weil es tolle, regelmäßige Verbindungen und modernstes Wagenmaterial gibt.
2. Was Herr Boltz mit “nur 30 Prozent machen Ticketeinnahmen aus” abtut, ist sehr viel Geld. Geld, das in Zukunft dem Öffentlichen Verkehr fehlen würde. Denn gerade das Wirtschaftsministerium steht auf der Bremse, wenn es um Subventionen für den Öffentlichen Verkehr geht. Gerade diese Gruppe, die hier nun Gratis-Öffis vorschlägt, sind die ersten, die sich für eine Kürzung von Zuschüssen für den Öffentlichen Verkehr einsetzen.
3. Österreich braucht dringend eine Bahnoffensive. In vielen Bereichen sind schon heute Engpässe beim Schienennetz und beim Wagenmaterial vorhanden. Und diese Engpässen werden mehr werden, wenn die Regierung nicht rasch in die Ausweitung des Angebots investiert.
4. Um mehr Menschen zum Umstieg vom Auto auf Öffentliche Verkehrsmittel zu begeistern, sind a) komfortables Wagenmaterial b) häufige Verbindungen (auch am Abend und am Wochenende) und c) kurze Wartezeiten beim Umsteigen nötig. Wie wenig der Preis die Menschen von der Benützung des Öffentlichen Verkehrs abhält, zeigen viele Pendler: Obwohl die Jahreskarte im Schnitt nur ein Sechstel bis Achtel (!) von dem kostet, was die Fahrt mit dem Auto ausmacht, fahren etliche lieber mit dem Auto in die Arbeit als mit den Öffis. Als Gründe werden “überfüllte Waggons, alte Waggons, zu lange Fahrzeit, zu viel Umsteigen” genannt - aber nicht der Preis.
Eines ist jedenfalls klar: Nur mehr Öffentlicher Verkehr garantiert im Zeitalter hoher Ölpreise die Mobilität der Menschen. Aber mehr ÖV kann es zum Nulltarif nicht geben. Schließlich wollen wir auch Gratis-Kindergärten, einen staatlichen Pflegefonds, einen Ausbau der Grundsicherung, Forschungs- und Bildungsmilliarde, mehr Geld für AlleinerzieherInnen,….
Mein Vorschlag lautet:
a) Ausbau Öffi durch StraßenbauHalbierung
b) 80 Mio mehr in neue Verkehrsangebote, Bundes-Finanzierung von Tram-Bahn-Systemen
c) Absetzbeträge für PendlerInnen außerhalb der Speckgürtel (statt Werbungskosten)
d) Ein-Euro-Ticket im Nahverkehr
e) Flächendeckende VorteilsCard: Halbpreis für Öffis um 150 Euro im Jahr, kombiniert mit reduzierter Autoversicherung (kein Geschenk)
f) Öffi-Jahreskarte für ganz Österreich um 1900 Euro gültig auf allen Öffis, kombiniert mit reduzierter Autoversicherung
Das ist realsitisch und finanzierbar








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