Transport auf Schiene
Ein Lokalaugenschein auf dem Güterterminal Wels überzeugte mich von dem Transport-Potenzial der ÖBB. Nötig ist ein Ausbau der Einfüllpunkte, sprich Güterterminals für Container und Rollende Landstraße, nötig sind mehr Anschluss-Gleise, und nötig ist eine komplette Logistik-Kette vom Produzenten zu den Verbrauchern. Dazu sollten mehr Mittel im Rahmenplan bereitgestellt werden.
Derzeit nützen in Wels zu 80% türkische Transportunternehmer die Rollende Landstraße (ROLA), da durch die Nicht-Mitgliedschaft in der EU die Durchfahrten zahlmäßig beschränkt sind. Pro Tag laufen 7 Züge mit je 24 LKWs nach Maribor und 3 nach Seged, Be- und entladezeit max. 30 Minuten. Ziel ist eine durchgehende ROLA bis Istambul. Theoretisch ist dies bereits jetzt möglich, wegen Zug-Aufenthalten aber zu riskant, da sehr viel gestohlen wird.
Jährlich können in Wels an die 215.000 LKW und 185.00 Container verladen werden. Sternförmig, vor allem im Nachtsprung werden regionale und internationale Ziele verknüpft.
Im Containerverkehr dominieren die Güter von den großen Häfen, die derzeit noch zu fast 90% per BAhn nach Österreich kommen. Die Normung (12m mal 2,4 mal 2,4m) eröffnet vielfältige Transportvarianten. Gefahrengüter sind besonders gekennzeichnet. Riesenkräne heben bis zu 45 Tonnen. Leider rutschte während meiner Besichtigung ein Gefahrengut-Behälter vom Kran. Glücklicherweise passierte nichts. Zahlreiche Feuerwehrautos stand bereit.
Die Jahresleistung von 185.000 Containern soll bis 2015 verdoppelt werden. Die Nachfrage steigt angesichts der Ölpreise. Derzeit geht alle 6 Stunden ein Containerzug auf Fahrt; bevorzugt im Nachtsprung. So auch der Zucker-Kessel von Enns zu Rauch/RedBull nach Bludenz.
So sehr das Verlagerungspotenzial im Schienen-gebundenen Transport beeindrucken kann, so grundsätzlich ist die Wachstum des Gütertransportes jenseits der Kostenwahrheit zu hinterfragen. Vor allem müssen endlich die Lenk- und Ruhezeiten eingehalten und die Sicherheitsvorschriften korrekt berücksichtigt werden. Dann hat die Schiene wirklich Chance. Mein Ziel ist allerdings einfach die Stärkung der regionalen Wirtschaft, da sie Transportenergie einspart.
Zurück am Linzer Bahnsteig hörte ich zwei überaus lange Güterzüge vorbeidonnern: einen mit den gelben Waggons der Fa. Grabner aus Lambach, die ein sehr effizientes Logistik-Konzept verfolgt, und einen gemischten der ÖBB. Ich erinnerte mich daran, dass ich vor vier Jahren in Attnang aus Wut auf den verspäteten IC in einen Waggon der ROLA einstieg und mich unter lauter fremdsprachigen Männern wiederfand. Vorsichtig setzte ich mich als völliger Fremdkörper in der LKW-Fahrerszene direkt unter die Notbremse und hoffte auf eine rasche Fahr nach Linz. Nach der Non-Stop-Durchfahrt durch Wels ging mir auf , dass der Fracht-LKW-Zug ja gar nicht in Linz stehen bleiben würde. Ich entwickelte ein Absprung-Szenario, da mich der Gedanke, mit den Männern bis Serbien durchzufahren, echt in Panik versetzte. Glücklicherweise durchollte der Fracht-LKW-Zug Linz im Schritttempo, sodass mein Sprung vom Zug glimpflich ausging. Somit habe ich einen intensiven persönlichen Bezug zum Warentransport auf Schiene.








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