Öffi-Tour durch OÖ


Extra/Spezial: Öffi-Tagebuch 27.9. bis 30.9.

Vier Tage teste ich nun die OÖ-Öffis kreuz und quer durchs Land auf Herz und Nieren. Über 1000km; 24 verschiedene Verkehrsmittel.

Am Sonntag wanderten wir zur „Dreimark“ in der Nähe des Plöckensteins, dem geographisch nördlichsten Punkt OÖs, nachdem uns die Mühlkreisbahn pünktlich nach Schlägl gebracht hatte.

Start am Mühlkreisbahnhof mit Mobilitätscard  Am Plöckenstein auf Öffi-Tour 

Fahrkarten gab es wegen defekten Automaten  erst im Zug am Automaten. Eine Dame hatte Schwierigkeiten mit dem Hundeticket, ein Herr beklagte sich über die teure Fahrrad-Karte. Einige Fahrgäste kritisierten, dass der 7 Uhr Zug von Aigen im neuen Fahrplan gestrichen wird und damit kein 2-Stundentakt möglich ist.

Frühstück ohne E-Licht  Südlichster Punkt am Krippenstein

Montag Am nächsten Morgen ging es in Schwarzenberg um 5.45 mit dem Postbus, der Fähre in Ottensheim, dem Postbus von Wilhering nach Linz und per Zug nach Gmunden, dann mit Straßenbahn und Schiff, Zug, Fußwanderung und Seilbahn aufs Dachsteinmassiv am Krippenstein (Ankunft mit 16.00). Ich traf viele Lehrlinge und Frauen, diskutierte mit Schaffnern, Busfahreren und Seilbahn-Führern und hetzte binnen einer Minute von der Fähre zum Bus in Wilhering. Glücklicherweise kam es zu keinen Verspätungen. Im Eilzug hatten Jugendliche einen Sitz demoliert, ohne Polster stand das Gestänge im Wagon. Ich erfuhr auch von unwahren und persönlich desavouierenden Beschuldigungen gegenüber Schaffnern (Schwarzfahrerin bezichtigte ihn fälschlicher Weise der sex. Nötigung). Die Jugendlichen, die ich traf, halfen mir und diskutierten konstruktiv.

Obertraun: Kuriosum am Rande: die Stellenausschreibung für Stellwerksmitarbeiter am Bahnhof in Obertrauen für die Strecke Ried im Innkreis – Attnang Puchheim. Genau diese Strecke will ÖBB-Chef Huber auflassen! Und dafür sucht die ÖBB neue Stellwerker!

Dienstag starteten bei Schneetreiben wir von der Lodge am Krippenstein am Dienstag früh zum südlichsten Punkt, dem Miesberg. Das miese Wetter ließ uns nicht ganz ans Ziel kommen. Im Tal schien aber nachmittags die Sonne. Wieder brachte die Zugfahrt interessante Gespräche. Ein junger Bad Ausseer war am Weg nach Wien zu einer Bewerbung für einen ÖBB-Fahrdienstleiter, zeigte sich zufrieden mit der Zugverbindung, stellte aber fest, dass er von Aussee bis Attnang genau so lange brauche wie von Attnang nach Wien.

In Ischl stoppte ich, um die lokale Verkehrssituation zu besprechen: die Gemeinde zahlt 500. 000 Euro jährlich zum Seilbahnbetrieb, aber spart 37.000 Euro bei den Stadtbussen, sodass es kein gutes Alltags-Angebot gibt. Ein Wahnwitz!

Dafür ist der Friseur in Ischl hilfsbereit und qualitativ gut: in einer halben Stunde werde ich ohne Voranmeldung für den Wahlkampf Auftakt in Wien am Donnerstag „zurechtgeschnitten“. Auch das geht sich aus.

Nach dem Besuch der Welser Messe treffe ich wieder um 19.00 in Linz ein und erledige bis 23.00 meine Mails.

Nächsten Tag Mittwoch geht es um 5.10 auf  Salzburg, denn nur mit der vorbildlich geführten Lokalbahn erreiche ich von Salzburg aus den westlichsten Punkt OÖs  bei St. Radegund rechtzeitig, um am selben Tag bei Waldhausen den östlichsten Punkt zu erwandern und abends mit dem Schichtbus wieder um 20.40 in Linz beim Werksgelände der Chemie einzutreffen. OÖ-Verkehrsmittel sind im Innviertel schlechter ausgebaut und langsamer.

Salzburger Lokalbahn  am Westlichsten Punkt, Inn

Diesmal ist auch noch mein Rad dabei, denn das brauche ich um in einer Stunde die 16 km von Trimmelkam zum W-Punkt an der Salzach zurückzulegen. Der Radtransport ist vergleichsweise teuer, nur in Eilzügen ohne Aufzahlung und Voranmeldung möglich.

Bei meiner Radfahrt sehe ich wieder, dass die ländlichen Orte wie ausgestorben sind, kein Mensch, große Garagen, gut ausgebaute zum Schnell-Fahren verleitende Straßen und vergleichsweise teure Auto dominieren das Bild. Zum „Hunde-Gassi-Führen“ wird erwartet, dass man mit dem Auto in den Wald fährt! Perverse Welt!

Der bequeme Schalterbeamte der Lokalbahn in Salzburg weigert sich eine Fahrkarte auszustellen – das soll die Schaffnerin im Zug machen. Typisch! Die Lokalbahn bietet eine Halbstundentakt bis tief hinein ins Innviertel und das täglich!!! Ein Vorbild für andere PendlerInnenstrecken. Am Bahnhof in Salzburg stehen auch kl. Fahplan-Heftchen für alle Verbundlinien zur Verfügung. Ein super Service!

Für die Donauuferbahn wird im Prospekt „ Bahn&Natur“  unter dem Titel „Erlebnis Strudengau“, „Erlebnis Wachau“, „Erlebnis Donau“ dreimal geworben,  aber zwischen Grein und Emmerdorf soll sie laut Konzept der ÖBB-Führung eingestellt werden! Schon wieder Widersprüche!  Der Schaffner erzählt einige Anekdoten: Vergaß ein Fahrgast auf der W-Bahn sein Geldtaschl. Der Schaffner deponierte es bereits am Bahnhof Amstetten, während der Fahrgast auf die Donau-Uferbahn umstieg. Dieser Regionalbahn-Schaffner wurde vom W-Bahn-Kollegen verständigt, bevor der Fahrgast seinen Verlust überhaupt merkte. Erst nach dem Ausrufen und der Frage des Schaffners entdeckte er den Verlust, aber die Bahn hatte schon gehandelt – nach der Devise: „Wir arbeiten schneller als Sie denken!“

Grein Rufbus  östlichster Punkt an der Kleinen Ysper

In Grein wartete bereits der Rufbus, voll besetzt, mit einem hilfsbereiten Fahrer, der die vielen Pendler-Schicksale des Bezirks darstellte: 80% pendeln aus, kaum Lehrstellen. Die Landwirtschaft ist rückläufig, Wiesen wachsen zu. Eine weitere Aufforstung wird bereits untersagt.

Zu Fuß erreichten wir den östlichsten Punkt an der Fessl-Mühle an der kl. Ysper. Ein freundlicher Traktorfahrer hätte uns mitgenommen, aber wir haben ausreichend Zeit und die Gegend ist schön. Wir erfahren, dass die Firma Umtasch ihre Arbeiter mit Pendlerbussen einsammelt und teilweise sogar die Kosten dafür trägt. Ein vorbildliches Mobiliätsmanagement.  Auch der Schichtbus am Abend von Waldhausen nach Linz ist voll besetzt und kostet  nur 10 Euro.

Die Wirtin in Waldhausen erklärte uns, dass ihre Kinder in Salzburg die Tourismusfachschule besuchten, da dies für sie verkehrsgünstiger war als Bad Leonfelden oder Krems. Wieder ein Beweis, dass dichte Frequenzen und gutes Angebot Öffentlicher Verkehrsmittel wichtiger sind als geographische Nähe.

In Linz treffen an die 20 Schichtbusse gemeinsam mit uns vor dem Werksgelände von Chemie und Voest ein. Die Nachtschicht beginnt.  Diesmal auch für mich, aber zu Hause vor dem PC.

Resumee: Öffentlicher Verkehr wird dort benützt, wo sein Angebot attraktiv ist. Deshalb wollen wir Grüne eine „Öff“ensive und die Einführung einer einfachen Mobilitäts-Card, die überall einsetzbar ist.


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