Schaffnerlos mit Schaffner?
- Mi, 14. Jun. 2006 | Mobilität
Im Bahnhof St. Pölten gaben wir eine Pressekonferenz zur Verbesserung des Öffentlichen Verkehrs und stellten unsere Mobilitätscard vor.
Die Rückfahrt begann am Automaten, die funktionierten, doch eine alte Frau versuchte ergebnislos einen Fahrschein für ihren Hund zu lösen. Soll es zwar geben, war nicht zu finden. Im Zug: „Ihr Fahrschein bitte!“, ein baumlanger, kräftiger Schaffner kontrolliert mich im Eilzug freundlich um 11.10 kurz nach St. Pölten. Stolz präsentiere ich mein Automaten-Billet, meine Vorteilsticket, meinen Wien-Fahrschein. Nach Neulengbach heißt es plötzlich um 11.20 über Lautsprecher : „Sie befinden sich in einem schaffnerlosen Selbstbedienungs-Zug, falls Sie ohne Fahrschein angetroffen werden, ist eine Strafgebühr von 60 Euro zu bezahlen“. Wohin ist nur der Schaffner entschwunden, wundere ich mich, hatte er Dienstschluss in Böheimkirchen? Ab nun hört man bis Wien nur noch die Lautsprecher-Stimme mit der warnenden Ansage. Am W-Bahnhof trauen ich meinen Augen nicht: Da steigen kreuzfidel zwei Schaffner aus meinem Zug. Der inzwischen wieder aufgetauchte zugbegleitende Schaffner bemerkt leicht ätzend auf meine Frage: „Ich habe persönlich die Durchsage gemacht, damit Sie sich rechtzeitig auf die schaffnerlose Zeit einstellen. Schließlich müssen wir uns ja selbst wegrationalisieren.“ Da verflüchtigt sich im Laufe einer Zugfahrt ein Schaffner, lässt tonbandartig Strafandrohungen verlauten und taucht wieder auf. Alles, um die Fahrgäste auf die schaffnerlos Zukunft vorzubereiten und die Zahlungsmoral mit Strafandrohungen zu garantieren. Übrigens hat die alte Frau nun für Ihren Hund bereits die Strafgebühr von 60 Euro bezahlt? Oder drückte der offiziell nicht vorhandene, aber doch existente Schaffner noch einmal ein Auge zu, da ja der Zug nur offiziell schaffnerlos fuhr, real aber doch ein Zugbegleiter vorhanden war? Immerhin hatte bei der Hinfahrt nach St. Pölten der offizielle und reale Schaffner mein fehlerhaftes Handy-Ticket akzeptiert, das statt der drei Codes C1, C2, C3 nur unverständliche Silben und Zahlenkombinationen zeigt: … t4e21 ochfy …. Wird das die Devise der schaffnerlosen ÖBB? Im Büro finde ich ein Bundesgesetzblatt für die Republik Österreich vor. Titel: Verordnung des Bundesministers für Verkehr, mit der die Verordnung, mit der generelle Bewilligungen erteilt werden, geändert wird. Kennst di aus?







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