Tagung in Bamberg
- Di, 01. Feb. 2005 | Handy
1. Bamberger Mobilfunksymposium29.Januar 2005
Allgemeines, Forderungen
Dr. Heyn, Bamberg : Forschung muß bei den Betroffenen selbst stattfinden, raus aus dem Labor !
Forderung: Nachvollziehbare, demokratische Forschungsstrukturen (Bernd Rainer Müller)
Wundheilungsexperimente (Vergleich mit strahlungsfreier Region) (von Volker Schorpp)
Wären, wenn eine strahlungsfreie Region existiert, sehr leicht durchzuführen
Anekdote: Karikatur : 2 Menschen mit Handy gehen aufeinander zu. Der eine sagt: Du, ich muß Schluß machen, ich treffe dich gerade ! (Virnich)
Beispiel zu Irrtümer der Wissenschaft: (von Eddington, Astrophysiker)
Ein Wissenschaftler fischt mit einem Netz mit 10 cm großen Maschen, er folgert: Alle Fische sind größer als 10 cm und haben Flossen
Ein Passant sagt: Ich habe Fische gesehen, die 5 cm groß waren
Antwort: Was mein Netz nicht fangen kann, ist kein Fisch !
Im Jahre 1989 gab es starke Sonnen-Magnetstürme, im Oktober 1989 war in Berlin Nordlicht zu sehen (Prof. Hecht)
Pilot-Studie der TU Graz (Prof. Leitgeb !) (Zeitungsbericht Grazer Woche 19. 1. 2005) : Handymast kann Schlafstörungen bewirken
Die Privat-Universität Witten-Herdecke ist stark von der Industrie abhängig (Antje Bultmann)
Berichte von Betroffenen
Volker Schorpp (Dr. ing. Dipl.-Phys.)
Schläft seit Jahren in einem Zelt an einem mobilfunkarmen Platz
Sein größter Wunsch: Eine Hochfrequenz-Versorgungslücke von mehreren 100 km2 irgendwo im Gebirge
Seine Erfahrung: Im Faraday-Käfig schläft man zuerst anders, später nicht mehr, er hilft nichts, ein strahlenarmer Ort ohne Faraday-Käfig ist besser.
In einem Zelt ist die Schlafqualität besser als in einem Wohnwagen, Tauchen tiefer als 1m ist am besten. Die Folgerung: Dämpfung durch Absorption ist gut, Abschirmung durch Reflexion ist nicht gut.
HF-Signale wirken negativ auf Psyche und Laune der meisten Menschen !
Er beobachtet Turbo-Altern bei Menschen im Strahlungsfeld, Augen werden schmal, Tränensäcke
Interessant ist sein Vergleich der Schallenergie mit der Strahlungsenergie
Dr. ing. Martin Virnich, Mönchengladbach, Ingenieurbüro für Baubiologie und Umweltmesstechnik
Trommelartige Antennen auf Handy-Masten sind Richtfunk-Antennen (keine Buschtrommeln zur Datenübertragung)
Seine Definition des Mikrowellenbereichs: 300 MHz bis 300 GHz
In Deutschland gibt es 4 Netzbetreiber
Betreiber beachten die „spektrale Effizienz“, also die Nutzung der teuren Frequenzen
Zeitschlitzverfahren: Vergleich mit Fruchtsaftindustrie: Fruchtsaft wird konzentriert, das Konzentrat wird transportiert, dann wird es wieder mit Wasser verdünnt
Eine Basisstation ist wie ein Leuchtturm (Organisationskanal)
Die Basisstation ist leistungsgeregelt, der Organisationskanal aber nicht !
Ein Handy ist immer leistungsgeregelt.
Die Umstände des Telefonierens (Keller, Auto …) beeinflussen die Leistung des Handies viel stärker als der SAR-Wert eines bestimmten Typs.
Die Leistungsflussdichte im Nahbereich (auch unter) der Basisstation schwankt sehr stark, sie hat viele Maxima und Minima (bis etwa 100 m), später nimmt sie in etwa kontinuierlich (mit 1/r2) ab. Die Maxima unter der Station können fast so hohe Werte annehmen wie beim ersten Auftreffen der Hauptsendekeule auf den Boden.
Der von den Behörden in der Schweiz vorgeschriebene Mindestversorgungspegel beträgt 0,0001 μW/m2.
Zu UMTS:
In China wird UMTS – TDD flächendeckend eingeführt
Generell wird bei UMTS die vorhandene Leistung auf die Benutzer aufgeteilt
Das Versorgungsgebiet ist nicht konstant:
Bei niedriger Auslastung überlappen sich die Zellen, bei hoher Auslastung grenzen sie genau aneinander
UMTS braucht ein wesentlich dichteres Netz von Basisstationen (400 bis 700 m Abstand)
Das UMTS-Signal, das in der TNO-Studie verwendet wurde, ist eine Basisstation ohne Gespräch
Im praktischen UMTS-Signal gibt es viele periodische Anteile mit verschiedenen Frequenzen ( vor allem 100 Hz +Oberwellen, 1,5 kHz +Oberwellen, 15 kHz + Oberwellen)
Auch UMTS hat einen Organisationskanal
Es ist praktisch kein standardisiertes UMTS-Signal möglich !
Bei Notebooks mit WLAN ist in 99,9% der Fälle WLAN aktiviert !
WLAN-Antennen werden oft versteckt (in Lokalen z.B. in Hamburgern aus Plastik)
Prof. Dr. med. Karl Hecht, Berlin
Die Zeit ist ein vernachlässigter Faktor in der Wissenschaft
Wesentlich ist: Die Zeitdauer einer Einwirkung und
Rhythmische Abläufe (Alles im Leben ist Schwingung)
Virchow 1869: Die Krankheit beginnt mit der Insuffizienz der regulatorischen Apparate
(nicht die Störung erzeugt die Krankheit, nicht das Leben unter abnormen Bedingungen, sondern die Unfähigkeit des Organismus, darauf zu reagieren)
Es gibt sanogenetische und pathogenetische Prozesse, schon Avicenna hat sechs Stufen der Krankheit unterschieden
Das Grundgesetz in Deutschland schützt nur die körperliche Unversehrtheit des Menschen, nicht die seelische
Zwischen dem Auftreten der Cholera in Moskau in den Jahren von 1823 bis 1923 und den Magnetstürmen der Sonne gibt es eine Korrelation
Buch dazu: Robert O. Becker: Der Funke des Lebens, Heilkraft und Gefahren der Elektrizität Piper, München 1994 (vergriffen, wird nicht mehr aufgelegt)
Die Wirkung der Magnetfelder erfolgt wahrscheinlich über epineurale elektrische Gleichströme (Schwansche Scheide), die Wachstum, Heilung und Reproduktion beeinflussen
Die Steuerung des Wach- Schlaf-Rhythmus erfolgt einerseits über Cortisol (Aktivierung), andererseits über Melatonin (Deaktivierung)
Sichtung der russischen Literatur zu Wirkung von Mikrowellen, Hecht und Balzer 1997
878 Studien wurden verwendet
In Russland war es gesetzliche Pflicht, dass Arbeiter in elektromagnetisch beeinflussten Betrieben jährlich gesundheitlich untersucht wurden, daher viele Daten vorhanden
Erkrankungsentwicklung nach Langzeiteinwirkung von EMF:
Erste 3 Jahre teilweise positive Aktivierung
3 – 5 Jahre prämorbide Phase
5 – 10 Jahre Erschöpfungssyndromphase
50% sind nach 10 bis 15 Jahren erkrankt, 50% nicht
Die Symptome waren in Russland dieselben, die heute bei Mobilfunk-Geschädigten auftreten (Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Tinnitus …)
EMF – Wirkung:
Bei 5 bis 30 min Einwirkung geringer Einfluß, teilweise positive Stimulierung
d.h. Untersuchungen mit so kurzen Einwirkungszeiten sind nicht aussagekräftig genug !
zu berücksichtigende Faktoren bei Untersuchungen:
Einwirkungsdauer
Lebensalter
Individueller Gesundheitszustand
Status des Elektrolyt-Haushalts
Wirkung von Röntgen
…
ein ganz wichtiges Symptom bei EMF-Wirkung ist das Hilflosigkeitssyndrom !
Zur Schlafforschung ist das Schlaflabor eher ungeeignet, da es eine ganz andere Umgebung ist als beim normalen Schlafen. Es gibt einen Schlafanalysator (kleines Gerät, 3 Elektroden), das überall verwendet werden kann.
Wichtige Studie: LARES-Studie, WHO 2004 Schlafuntersuchung
Dr. med. univ. Gerd Oberfeld, Amt der Salzburger Landesregierung
Der Wirkmechanismus bei einer Krankheit ist irrelevant, erfolgreiche Maßnahmen können auch ohne Kenntnis des Wirkmechanismus getroffen werden, Beispiel:
Auftreten der Cholera in einem Bezirk in London im 19. Jh. , durch Eintragen der Fälle in einen Stadtplan Verdacht, dass ein bestimmter Brunnen schuld ist , Arzt empfiehlt: Pumpenschwengel abmontieren, so dass dort kein Wasser geholt werden kann, daraufhin Besserung der Lage (niemand wusste etwas von den Cholera-Erregern !)
Epidemiologische Studien:
Santini 2002
16 Symptome (Müdigkeit, Kopfschmerzen,…)
Methode: Öffentlicher Aufruf zur Teilnahme
Hutter, Kundi 2002
Methode: Selektion der Studienteilnehmer bevölkerungsbezogen
Ergebnis: Gruppe ohne Bedenken gegen Mobilfunksender hat ähnliche Abhängigkeit der Beschwerden von der Dosis wie die Gruppe mit Bedenken
Navarro, Gomez-Perretta 2002Methode: FragebögenOrt: La Nora bei Murcia
Depressionen haben stark zugenommen ( streßbezogene Erkrankung)
Dr. Horst Eger, Naila
Die Naila-Studie wurde unentgeltlich erstellt
Adressen der Personen können wegen der ärztlichen Schweigepflicht nicht weitergegeben werden
Veröffentlicht in „Zeitschrift für Umweltmedizin“, Nov 2004
Er nennt wichtige Studien:
Salford, Lund 2003Rattenhirne
Huber, R. et al. , J. Sleep research (2002) 11, 289 – 295Änderung der Hirndurchblutung nach 30 min Telefonat(mit Kernspintomographie bei gesunden jungen Männern nachgewiesen)
Ronni Wolf, Danny Wolf, Israel, NetanyaBei einer Strahlendichte von 0,5 μW/cm2 ( entspricht 5 mW/ m2) bei 850 MHz erhöhte Krebsrate bei Frauen ( um das 4fache)
Dr. Reinhold Jandrisovits, Gemeindearzt von Müllendorf, Burgenland
3 Mobilfunkmasten, Entfernung zum Ortszentrum ca. 1 km, die nächsten Häuser stehen etwa 200 m entfernt
seit 2002 Beschwerden (eigene Patienten)
Schlafstörungen
Ruhelosigkeit
Erschöpfungszustände
Wortfindungsschwäche
Blutdruckprobleme, auch bei vielen jungen Leuten
Hörsturz
Tinnitus-Statistik:
1994 bis 2001 etwa 5-10 Fälle pro Jahr
2003 35 Fälle
2004 56 Fälle
analoger Verlauf bei Schlafstörungen
Karzinome 2004 12 Neuerkrankungen, vorher etwa 3 bis 5 pro Jahr
Es besteht kein Zusammenhang von Erkrankungen mit der Nähe zum Sender
Neuartige Messung: Parallelität des Betriebszustands eines Senders mit dem Wohlbefinden von 4 Personen
Empfehlung von ihm: Keine offiziellen Messungen mit Betreibern! (Sie beeinflussen dann den Betriebszustand)
Es gab auch massive Störungen durch Infraschall, deswegen wurde ein Sender verlegt
Dr. rer. nat. Ulrich Warnke, Saarland
Schon 1932 Beschreibung des Mikrowellen-Syndroms (Schliephake)
1949 Schaefer: ganz klarer Zusammenhang zwischen Symptomen (wie bei Mobilfunk-Geschädigten) und Hochfrequenz
es gibt viele Studien über Wirkungen von Rundfunk- und Fernseh-Sendern, sie stimmen mit den Mikrowellen-Studien überein
2004 Usfie, Hebrew University Studie (Ruken et al.)
Dramatisch aktuelles Problem: acquired energy dyssymbiosis syndrom AEDS
Erworbene und vererbbare Mitochondropathie (mütterlich vererbte Mutationen der Mitochondrien-DNA)
Steht in Zusammenhang mit mehr als 200 Krankheiten, z.B.
Alzheimer
Parkinson
Diabetes
Herzdefekte
Multiple Sklerose
Krebs
….
NO ist extrem wichtig für den Körper
Bei gesunden Menschen wird die NO-Bildung stimuliert durch körperliche Bewegung und Licht
Zuwenig NO und zuviel NO bewirken Störungen
Die NO-Bildung ist sehr stark durch Magnetfelder beeinflussbar (niedrigste Feldstärken)
Paredi u. a. 2001 : NO-Ausschüttung durch Mobilfunk
NO-Erhöhung produziert Cholesterin (durch Hemmung von Enzymen)
Dr. phil (Adelheid ?) Stöcker, München
Verein für Elektrosensible
Düsseldorfer Straße 22
D-80804 München
Hat ein Pilotprojekt „Funkfreies Wohnen“
Klare Begriffe:
- Electrosensibility (deutsch: Elektro-Sensitivität)
Neuropathic problem (verstärkte Wahrnehmung von elektromagnetischen Feldern, neurologische Vorschäden)
- Electro-sensitivity (deutsch: Elektro-Sensible)
Stress phenomenon reversible
- Electro-allergy
Different reaction
- Electro-injuries
Radiation diseaseDisease of civilization
Es gibt Menschen mit chronischer Borreliose oder chronischer Meningitis, die dann sehr elektrosensitiv sind (Gruppe 1)
Herzinfarkte haben sich in den letzten Jahren verdreifacht
Wenn eine „Allergie“ nachgewiesen wäre, gäbe es eine politische Anerkennung
Prof. Dr. med. H.J. Wilhelm, Frankfurt
Tinnitus nimmt weltweit zu, auch Epilepsie und Parkinson
Es gibt einen Einfluß von Mobiltelefonaten auf die Tropfenstruktur von Wasser und Speichel
Aspirin kann Ohrgeräusche auslösen
Neue ital. Studie: Einfluß des Mobilfunks auf die Acetylcholinesterase
Lonn,S., Ahlbom,A., Hall : Mobile Phone Use and the Risk of Acoustic Neuroma10 Jahre und längere Nutzung des Handies steigert das Risiko für ein Akustikusneurinom um das 1,9 fache
Bernd Rainer Müller , Beauftragter des Bund Naturschutz
Messgeräte wurden entwickelt für Techniker, für technische Fragestellungen, nicht für die Wirkung auf den Menschen
Das Funkplanungs-Tool der Betreiber liefert wesentlich mehr Informationen
Geocodierungsdaten der Stationen gibt es nur für industrienahe Wissenschaftler
Verzögerungs- und Abwehrtaktiken:
Eine Stadt genügt nicht für eine Studie, es müssen alle Städte sein, alle Städte sind nicht finanzierbar, also geschieht gar nichts
Studien können nicht dort durchgeführt werden, wo die Bevölkerung „voreingenommen“ ist
Forderung: Nachvollziehbare, demokratische Forschungsstrukturen
Antje Bultmann, Wissenschaftsjournalistin
Drei Probleme bei der Wissenschaft
1) Die neoliberale Einstellung von Politik und Wirtschaft
2) Die Abhängigkeit der Forschung von Drittmitteln
3) Irrtümer der naturwissenschaftlichen Forschung
Vorgangsweise und Argumente der Mobilfunk-Betreiber (werden weltweit verwendet, fast stereotyp):
- Ignorieren
- Ein Zusammenhang wird angenommen, aber man weiß nicht wie es geht (siehe auch Oberfeld, Cholera)
- Symptome sind unspezifisch
- Symptome sind durch andere Umwelteinflüsse hervorgerufen und multifaktoriell
- Elektrosensibilität ist psychisch bedingt
- Die Ergebnisse sind widersprüchlich, es muß weitere Forschung geben
- Man kann nicht von Tierversuchen auf Menschen schließen !
- Das ist eine Einzelstudie, die nicht wiederholbar ist
- Studien sind nur wissenschaftlich, wenn sie in wissenschaftlichen Zeitschriften erscheinen







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